Müssen wir unsere Muskeln dehnen?

16. April 2010
posted by Andrea Hütthaler

Dehnen ist seit Jahrhunderten bekannt und beliebt. Seit einigen Jahren werden Wirkungsweise und Methodik des Dehnens kritisch hinterfragt. Praktiker schreiben der Dehnung wundersame Wirkung zu, Forscher stellen die Bedeutung in Frage. Einzig der positive Einfluss auf die Erhaltung und Verbesserung der Beweglichkeit wurde nie zur Diskussion gestellt.

Beweglichkeit empfinden wir als positiv: wer sich geschmeidig bewegt, wird als “jung und agil ” wahrgenommen, “steif und starr” zu sein wird mit “alt und gebrechlich” gleichgesetzt.

Ist unsere Beweglichkeit eingeschränkt, wird meist sofort von Muskelverkürzung gesprochen - was nur in wenigen Fällen zutrifft. Meist handelt es sich um funktionelle Verkürzungen, die zu verstärkter Muskelspannung führen oder Gelenke, Sehnen und Bänder betreffen.

Neue Erkenntnisse: Allseits bekannte Empfehlungen aus der Praxis, man solle vor und nach dem Sport dehnen um Muskelkater zu vermeiden, wurden in Studien widerlegt. Gezeigt wurde sogar, dass Dehnen keinen direkten Schutz vor Verletzungen bietet. Auch dass intensives statisches Dehnen beim Aufwärmen zu Leistungsminderung vor allem im Bereich der Schnellkraft führt.

Methoden des Dehnens unterliegen immer neuen Erkenntnissen: Ende der 80er Jahre wurden federnde Bewegungen verbannt und gehaltene Dehnungen - Stretching - propagiert. Seit einigen Jahren darf man beruhigt wieder Dynamik in seine Dehnungen bringen ohne Muskelreflexe auszulösen. Sind Leistungen von maximaler Beweglichkeit abhängig, wie im Ballett oder Sportgymnastik, dann müssen Dehnungen bis ans Bewegungsende sein. Sollen sich Körper und Geist nach dem Sport regenerieren, ist die empfohlene Intensität mittel bis sanft und die Technik bewegt - statisch. Wer regelmäßig dehnt und dabei bewußt atmet, erfährt anschließendes Wohlgefühl.

Beweglichkeit im Alltag: Gewohnheitshaltungen wie häufiges Sitzen mit gekrümmtem Rücken, Arbeiten in gebückter Haltung und kleine monotone Bewegungen führen auf Dauer zu Einschränkungen im Bewegungsradius. Dehnen alleine kann keine Haltungsänderung herbeiführen, dazu muss zuerst das Verhalten im Alltag verändert werden. Kräftigen und Dehnen können jedoch zu einer aufrechten Haltung beitragen und die Bewegungsreichweite vergrößern. Was im Sport bedeuten kann, dass ich mit dem Schläger weiter aushole, im Alltag, dass das Binden der Schuhbänder nicht schwer fällt und Kämmen kein Problem darstellt - einfach gesagt: dass ich beweglich bin!

Wintersport - perfekt vorbereitet?

17. Januar 2010
posted by Manfred Simonitsch

Sonnenschein, Pulverschnee, blauer Himmel, super gute Luft - einfach herrlich. Und dazu noch eine Prise Bewegung. Am besten aber perfekt vorbereitet, denn die richtige Dosis und Mischung aus Beweglichkeit, Kraft- und Ausdauertraining garantiert Spaß und Freude auf der Piste oder auf der Loipe. Und egal, welche Wintersportart Sie auswählen bzw. ausüben, grundlegend gibt es ein paar wichtige Tipps, die Sie einhalten sollten:
*Bereiten Sie sich körperlich möglichst gut auf Ihre Wintersportart vor
*Überprüfen Sie Ihre Ausrüstungsgegenstände auf Tauglichkeit und Funktionsfähigkeit
*Beginnen Sie Ihre Aktivitäten mit entsprechender Dosierung und steigern Sie nach und nach Intensität und Dauer
*Machen Sie rechtzeitig Pause und genießen Sie Ihren Urlaub
*Geben Sie dem persönlichen “Kontakt mit der Natur” eine Chance, verzichten Sie auf Laptop, Blackberry und Co….zumindest während eines Teils Ihres Urlaubs
*Und lassen Sie Ihren Urlaub zumindest einen Tag auch entsprechend ausklingen, bei Genuss pur, bevor der Alltag wieder Einzug hält

Es ist schon spannend, dass sich gerade im Wintersportbereich nur die Wenigsten auf die hohen technischen und körperlichen Voraussetzungen für die Durchführung vorbereiten. Niemand von uns würde auf die Idee kommen einen einwöchigen Radurlaub ohne entsprechende Vorbereitung auf dem Drahtesel durch zu führen (schon allen wegen dem Allerwertesten). Aber für viele ist es selbstverständlich einen einwöchigen Winterurlaub auf den Traumpisten Österreichs so ganz ohne Vorbereitung zu verbringen. Dabei sind die körperlichen Belastungen gerade in den Wintersportdisziplinen tatsächlich erheblich. Aufgrund der “Bretter, die die Welt bedeuten”, die immer technischer werden und immer höhere Ansprüche an die körperlichen Voraussetzungen stellen (hier vor allem die muskulären und konditionellen Voraussetzungen), ist es einfach immens wichtig, um auch wieder gesund nach Hause zu kommen, die eigenen Fähigkeiten zu schulen und zu trainieren.

Immer wieder kann man auf den Pisten Personen beobachten, die weit über Ihre Verhältnisse fahren. Die Beinahe-Vorschrift der Helmpflicht und auch von Protektoren ist zwar gut und schön, viel wichtiger wäre es aber, wenn sich jedermann- und -frau entsprechend an Pistenregeln hält, und vor allem an den eigenen Fähigkeiten orientiert. Denn dann ist ein ganz wichtiger Grundstein für einen genüsslichen Urlaub für einen selbst und die Miturlauber gelegt…..

Alpenparadies Winterurlaub

Alpenparadies Winterurlaub

Über den Sinn der Beweglichkeit, und wozu Trinken auch noch dient

9. November 2009
posted by Manfred Simonitsch
Beweglich wie eine Schildkröte? oder...

Beweglich wie eine Schildkröte? oder...

...wie ein Schlangenmensch?

...wie ein Schlangenmensch?

Tageszeit, Alter, Geschlecht, Innen- und Außentemperatur (so mancher Yoga Guru macht seine Einheiten bei 38° - 40° Raumtemperatur), all das hat absolut Einfluss auf unsere Beweglichkeit, aber das was am meisten Einfluss darauf hat, Sie ahnen es schon, das sind wir selbst, bzw. unser eigenes Verhalten, was Bewegung betrifft. Auch die Ermüdung und was wichtig ist - Flüssigkeitsmangel - haben tatsächlich auf unsere Beweglichkeit intensiven Einfluss, aber was ist schon “intensiv”? Generell sind Frauen beweglicher als Männer (na gehhhh!!!), weil diese weniger Muskelmasse haben (aha!), einen höheren Fettgewebeanteil und auch einen höheren Wassergehalt im Gewebe haben.

 

Sie sehen - auch mit dem Ernährungs- oder Trinkverhalten kann man positiv auf die Beweglichkeit Einfluss nehmen, ach ja, mit dem Trinkverhalten meine ich ungesüßte Flüssigkeiten OHNE Alkohol und möglichst naturnahe - am besten Wasser, linksdrehend, rechtsdrehend, Grander oder nicht, alles ist erlaubt, hauptsache Wasser mit oder ohne ein bisserl Geschmack (Tee), mit oder ohne zusätzlichem Prickeln (Mineral/Soda). Jetzt aber zurück zum Thema der Bewegungsabgewöhnung: Wir erleben in unserer Physiotherapiepraxis immer mehr Personen, die eine Beweglichkeit nahe der von Schildkröten haben, dies aber einfach nicht registrieren, weil Sie eben Tag ein, Tag aus, glauben nicht mehr an Beweglichkeit zu brauchen. Dass aber Beweglichkeit eine Grundeigenschaft des Organismus ist, Voraussetzung für qualitative und quantitative gute Bewegungsausführungen ist und auch bewirkt, dass Übungen kräftiger, schneller und einfach leichter und fließender ausgeführt werden können, das hat sich wohl noch nicht so richtig herum gesprochen (leider).

 

Beweglichkeit unterteilt sich in Gelenkigkeit der Gelenke und Kapseln, und in die Dehnfähigkeit der beteiligten Muskeln, Sehnen und Bänder. Je besser und geschmeidiger dieser Muskel-, Sehnen-, und Bandapparat  funktioniert, desto besser beugen Sie auch Verletzungen vor, und schützen so Ihren Organismus.

Es muss ja nicht die Beweglichkeit von sogenannten Schlangenmenschen (wie man diese im Zirkus noch sieht) sein, aber reicht die Beweglichkeit einer “Schildkröte” - ganz abgesehen vom Tempo? Nutzen Sie doch das, was Sie erhalten haben, und bewegen Sie regelmäßig Ihre Gelenke, und zwar, wenn möglich, in alle Richtungen, für die das jeweilige Gelenk geeignet ist. USE IT OR LOOSE IT (Verwenden Sie es, oder Sie verlieren es….) - die GRUNDEIGENSCHAFT, die unser Organismus perfekt beherrscht.

Mag. Manfred Simonitsch - Bewegungsexperte Dietix